Die Stadt des Lichts – Nr.13

Nr.13: Metro-Menschen

//8 Uns gegenüber sitzt ein Junge, sechzehn vielleicht, Kopfhörer in den Ohren und isst Süßigkeiten. Nun, eigentlich lungert er eher und seine langen Beine liegen einmal queer über den Gang, sodass im Zweifelsfall niemand durchkommen würde. Er scheint ein Video auf seinem Handy zu schauen und lässt sich von unseren Blicken kaum verunsichern. Denn trotz seiner offensichtlichen, pubertären Coolness, ist er eine Kuriosität; steckt er in einem dunkelblauen Anzug, der mehr ihn zu tragen scheint, als andersherum. Dazu passend; dunkelblaue Anzugschuhe, die weder bequem, noch nach seiner erstenWahl aussehen und gewiss keine halbe Stunde auf dem Basketballfeld aushalten. Ein bisschen Kindheit gegen eine ganze Menge Prestige?

//9 „Exuse moi?“ Ich rechne im ersten Moment nicht damit, dass ich gemeint bin, sehe dann jedoch irritiert auf. Sie hält mir ihr Smartphone vor das Gesicht. Ich erkenne das Interface einer Email und runzele leicht irritiert die Stirn. Sie versuche die ganze Zeit diese Email zu verschicken, erklärt mir die Frau. Aber sie wird nicht versendet. Ob sie ihre mobilen Datendenn eingeschaltet habe, frage ich. Ja, vergewissert sie mir und ich werfe einen Blick auf den oberen Rand ihres Bildschirmes. Hm. Fünf Minuten später, bin ich mit meinem Latein am Ende und wir einigen uns darauf, dass es wohl daran liegen muss, dass wir im Metro Tunnel sind und sie es einfach später nochmal versuchen sollte. So viel zum Thema digital Native.

//10 Sie starrt mich an. Ich lächele. Sie zieht die Stirn kraus und bewegt den Kopf unruhig hin und her. Ich versuche noch überzeugender zu lächeln. Sie presst ihren Mund zusammen und hält einen Moment inne, ihr Blick kritisch wie eh und je. Und in diesem Moment, wird mir bewusst, dass es wenige Dinge gibt, die einen mehr verunsichern, als ein Baby, das statt sich zufreuen, im Angesicht deines Lächelns, schlagartig ernst wird.

//11 19 Uhr und ich, 22, laufe mit Bommelmütze und einer geöffneten Tortilla-Chips-Tüte mit bester Laune durch den Bahnhof von Saint-Lazare. Vorbei an den Pappkarton-Marktständen, hinter denen keifende Männer stehen und mir 2 Avocados für 1,50€ oder 2 Packungen Heidelbeeren für 2€ andrehen wollen. Ein paar Meter weiter steht ein Mann mit Gitarre. Er trägt eine gelbe Weste, die überall mit Edding bekrikelt ist und singt irgendwas von „Oh Gilet Jaune“, direkt neben ihm ein Mann in Armee Uniform. Er trägt einen ersten Blick, der scheinbar unbeeindruckt auf die Menge gerichtet ist, eine dieser deplatzierten, fast schon albernen Barett-Mützen und ein Maschinengewehr.

//12 Urplötzlich wird es warm an meinem Bein und nachdem die anfängliche Panik, ich könnte mir aus weiß-gott welchem Grund eingepinkelt haben, verflogen ist, fällt mir auf, dass es lediglich mein rechter Oberschenkel ist, der so warm scheint. Vorsichtig bewege ich mein Bein hin und her und spüre, wie das Warme über den Stoff meiner Hose streift. Vorsichtig schiebe ich meine Hand zwischen mir und dem, an mir gepressten Menschen, neben mir, an die Ruckseite meines Oberschenkels und ertaste eine Tüte. Eine Tüte, dessen Besitzer sofort alarmiert ist, aus Angst ich wolle ihm sein frisches, noch warmes Brathähnchen stehlen.

//13 Ich weiß nicht ob ich ihn albern, oder beeindruckend finden soll. Mir gegenüber sitzt ein Mann, dessen grün schillernde Weste mich an die Wandtapete einer Unterwasserprinzessin erinnert. Dazu trägt er eine quietschgelbe Hose, knallbunte Ringelsocken und Schuhe, die aussehen, als hätte er sie einer Mozartfigur aus irgendeinem Museum geklaut. Während meine Augen mit einem amüsierten Blitzen über sein Outfit huschen, zuckt er nicht einmal mit der Wimper. Beeindruckend.

//14 Dreitagebart, lange, zum Zopf gebundene Haare, Outdoorjacke, beige Hose und eine ganze Menge Lebensfreude in den Augen. Vor ihm steht ein großer Wanderrucksack, an dem ein eingepackter Schlafsack hängt und alles an ihm schreit nach Abenteuer und Wildniss und Freiheit. Ich wünschte ich wäre mutig genug ihn anzusprechen. Weil er die Inkarnation des Typen ist, von dem ich gerne in der Metro angesprochen werden würde und weil mich seine Geschichte interessiert. Wo geht er hin, wo kommt er her? Spricht er meine Sprache? Was hat er auf seinem Weg alles schon erlebt und was verschlägt ihn nach Paris? Hab eine gute Reise, denke ich lächelnd, als er die nächste Station aussteigt.

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Die Stadt des Lichts – No.12

No.12: Metro-Menschen

//1 Schräggegenüber von mir sitzt ein Mädchen mit Kapuze. Vor ihr steht ein Beutel, in dem mehrere Skizzenblöcke verschiedenster Größe sind. Sie hat Kopfhörer auf und kaut auf diese unerschütterlich selbstbewusste Art Kaugummi, dass ich direkt neidisch werde. Alles an ihr passt irgendwie zusammen. Ihr ungeschminktes Gesicht, die langen, dunklen Haare, die an der einen Seite aus ihrer Kapuze fallen, ihre bunten Converse, im Kontrast zu ihren sonst komplett schwarzen Klamotten. Sie sieht großartig aus!

//2 Seit ein paar Tagen sitzt sie hier und konfrontiert mich mit den Stereotypen in meinem Kopf. Wo das dominierende Bild der Bettler im Bahnhof Saint Lazare sonst Frauen mit Kopftuch sind, die Schilder halten auf denen „Famille Syrienne“ steht, sitzt am Eingang der 14 seit ein paar Tagen ein junges Mädchen. Blasse Haut, rote, lockige Haare und wenn ich mich nicht täusche, schwanger.

//3 Vor lauter Schreck zucke ich zusammen, als sich die Türen öffnen, an die ich mich bis eben gelehnt habe. Meine Hand an der Eisenstange ist etwas schwitzig und ich habe das Gefühl ertasten zu können, wie die Bakterien langsam durch den Schweiß schwimmen und in meine Haut eindringen. Und etwas in mir hasst Metro-fahren.

//4 Ich stehe so nah vor ihm, dass ich seine Barthaare zählen könnte, wenn ich wollte. In seinem dunkelblauen Mantel, mit dem ca. 13-Tagebart sieht er aus wie der gutaussehende Typ aus der nächstbeliebigen Netflixserie. Und wäre das hier eine Netflixserie, wäre ich bestimmt das unbedarfte Mädchen, dass durch das Bremsen der Metro in seinen Armen landet. Nur ist die Linie 13 immer so voll und diese ungewollte Nähe irgendwo schon normal. Irgendwo aber trotzdem sehr unangenehm; sogar unsere Knie berühren sich und ich wette er kann meinen Atem spüren.

//5 Er fällt mir sofort auf. Große, dunkelgrüne Jacke, vermutlich aus dem Second-Hand-Shop. Kurze Haare, Mütze, leichte Augenringe und doch ungeheuerlich lebendige Augen. Vielleicht unser Klischee-Hipster, aber irgendwas an ihm ist sehr authentisch. Um seinen Hals hängt eine alte Analogkamera und unsere Blicke treffen sich, flüchtig, dann gehe ich an ihm vorbei.

//6 Ich steige aus und suche (wie jedes Mal) komplett orientierungslos nach dem Sortie-Schild. Wie die Pariser das hinbekommen immer direkt zu wissen, in welche Richtung sie müssen, ist und bleibt mir ein Rätsel. Ebenso bleibt mir ein Rätsel, wie es dazu kommt, dass ein Typ am helllichten Tage meint es wäre eine gute Idee, den Mülleimer auf dem Metrogleis anzupinkeln. Und mich dabei auch noch anzugrinsen. Keine Ahnung in welcher Welt das okay ist, aber in meiner eher nicht…

//7 Ich stehe am Bahnsteig und warte auf meine Metro, als die Frau neben mir plötzlich erschrocken die Beine hebt. Der Blindenstock eines Mannes taucht zwischen ihren Füßen auf und ich denke im ersten Moment, dass sie gleich etwas Genervtes vor sich hinmurmeln wird. Stattdessen stellt sie sich vor, fragt ihn wo er hin möchte und sagt, dass sie mit derselben Metro fahren wird wie er und ihm beim Einsteigen helfen wird, wenn es soweit ist.
Danke. Für diesen wunderbaren Moment.

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Die Stadt des Lichts – No.11

No.11: Einmal Traumberuf mit Sahne, bitte

Wir sitzen in einem Café. Er sitzt mir gegenüber; beige Hose, blassblaues Hemd, runde Brille und einen bereits etwas spärlichen Haaransatz. Ich sitze auf der anderen Seite des Tisches, etwas nervös, vor mir einen Schreibblock und einen Kugelschreiber in der Hand, gezückt, als würde ich gleich eine lebenswichtige Prüfung schreiben.

Es ist durchaus etwas kurios, dass wir hier sitzen. So als wäre das hier echt, als wäre ich ebenso professionell hier, wie er. Er, der Dirigent des Chors, in dem ich derzeit hier in Paris singe und wie es sich herausgestellt hat ist er ebenso einer der weltweit meistgespielten, zeitgenössischen französischen Komponisten. Schottland, Amerika, Deutschland, überall kennt man in Fachkreisen seine Musik und seinen Namen und ich habe das Glück für eine Seminararbeit diesen beeindruckenden Menschen interviewen zu dürfen.

Wenn ich ehrlich bin, wusste ich nicht mal, was für einen großen Fisch ich an meiner kleinen Angel hatte, als ich ihn nach der Chorprobe, letzten Mittwoch fragte, ob ich ein Interview mit ihm machen könnte, da ich für die Uni ein Porträt schreiben muss. Ich wählte ihn aus, weil ich die Idee spannend fand. Den Dirigenten eines der größten Studentenchöre Paris zu interviewen, ist doch bestimmt keine schlechte Idee und auch, weil ich wusste, dass ich das Interview auf Französisch führen müsste. Dass er ein ziemlich guter und auch preisgekrönter Komponist ist, wusste ich ursprünglich nicht.

Aber jetzt sitzen wir hier. Er und ich. An diesem Tisch, in diesem Café und es ist so laut, dass ich fürchte, dass die Tonaufnahme des Interviews komplett in die Hose gehen wird. Mit meinen Fragen habe ich mir ziemlich viel Mühe gegeben; zu viel vielleicht, für eine Seminararbeit, dabei hat es mir so viel Spaß bereitet, seine Website zu durchforsten, mir die Titel seiner Stücke und die Cover seiner CDs anzuschauen und Lücken zu finden, die es zu schließen gilt. Mir seinen Werdegang als Musiker durchzulesen und mich zu fragen, also letztendlich ihn zu fragen, warum ein so bekannter Komponist, wie er, seine Wochenenden damit verbringt einen Studentenchor zu dirigieren.

Vielleicht habe ich in den letzten Monaten zu viele Beiträge vom Y-Kollektiv geschaut und vielleicht nehme ich diese Seminararbeit viel zu ernst, aber das hier, genau das hier, das ist das was ich machen möchte. Mich in Dinge reinstürzen, durch das Netz stöbern, Fragen formulieren (und das einmal nicht bezogen auf mich und mein Leben, sondern auf andere Menschen) und dann mit einem Mann, der dem Klischeebild eines Künstlers so ähnlich sieht, wie er, in einem Café sitzen und ein Interview führen. So ein richtiges Interview. Und einfach mal zuhören, einfach zuhören und sich mit dem Leben eines anderen befassen.

Kommt das zu kurz in unserer Welt aus Selbstdarstellung und Selbsthass? Selbstliebe und Eigenvermarktung? Können wir uns noch mehr, als die Zeit, die es kostet, um einen anderen Menschen auf Instagram zu finden und grob durch den Feed zu scrollen, auf einen anderen Menschen konzentrieren? Ihm zuhören? Kann ich das noch? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht; mache ich das hier für meine Seminararbeit? Für ihn oder für mich?

All diese Fragen kann ich nicht beantworten und da würde mir auch keine ausführliche Recherchearbeit bei helfen. Aber eines weiß ich ganz sicher: Ich habe mich lange nicht mehr so richtig, so cool und so lebendig gefühlt, wie an diesem Abend, in diesem Café mit diesem Mann, den ich nach gefundenen Lücken befragt habe. Seit Jahren möchte ich Journalistin werden und dieser Moment hat mir genau das gegeben. Eine etwas zu ernst genommene Seminararbeit und eine glückliche Wahl des Interviewpartners. Für eine Dreiviertelstunde in diesem Café war er der Künstler und ich die Journalistin.

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Die Stadt des Lichts – Nr.10

Nr.10: Walking on sunshine

Wir sitzen auf diesen unbequemen gelben Plastikstühlen am Gare Routière in Montpellier. Zwischen uns steht eine Packung Nüsse. Es ist frisch für die 21 Grad, die wir tagsüber hatten und wir warten auf unseren Bus zurück nach Marseille.
„Was ist dein Fazit von unserem Urlaub“, fragt sie mich.
„Ist er denn schon vorbei?“ Ein blöder Scherz, denn natürlich ist ihr bewusst, dass morgen unser letzter Tag ist, aber ich brauche einen Moment, um mich für eine Antwort zu entscheiden. „Mein Fazit ist, dass du eine Person bist, mit der ich sehr gerne wieder Urlaub machen würde.“
Sie grinst und ich grinse zurück, denn eigentlich ist dieser Satz für mich in diesem Moment alles was zählt. Denn er birgt so viele ungesagte Dankbarkeiten.

Silja, die mir die letzte Woche über Asyl auf einer Luftmatratze in ihrem Zimmer geboten hat. Silja, die ohne mit der Wimper zu zucken für mehrere Tage alles mit mir teilte. Mit der ich vor einem dreiviertel Jahr noch fast nichts zu tun hatte und ohne die ich mir einen weiteren Verlauf meines Studiums gar nicht mehr vorstellen kann. Silja, die ein Mensch, so selbstlos und hilfsbereit und ganz besonders auf ihre eigene, wundervolle Art ist. Mit der keine einzige Minute der letzten Wochen seltsam oder still war, mit der ich trotz augenscheinlicher Unterschiede ungeheuer viel gemeinsam habe.

„Oder meintest du generell?“, hake ich nach.
„Eigentlich schon.“ Sie lacht. „Aber das Fazit ist auch voll okay.“
Ich denke einen Moment nach.

Ich erinnere mich an die klitschnassen Klamotten und die drei Stunden, die wir bei Chai Latte und Muffins im Shopping Center von Marseille saßen und warteten, dass der Regen vorbeizog. Als wir uns innerlich dafür widmeten unsere Tage im Süden mit Kreuzworträtseln und Netflixserien zu verbringen. An unseren erstaunlich trockenen Spaziergang zur Notre Dame de la Garde und dann am Abend den zweiten, noch krasseren Regenschauer. An die Kinder neben uns, die in Halloween-Kostümen mit Gummistiefeln in Pfützen sprangen, denn mehr blieb ihnen gar nicht übrig. Denn Halloween ist in der Provence dieses Jahr wortwörtlich ins Wasser gefallen. Und an den warmen Tee, abends in unserer kleinen Unterkunft.

Ohne Probleme sehe ich wieder die Weggabelung vor uns, als wir auf den Weg zu den Calanques sind. Sehe die Familie mit dem Baguette unter dem Arm und dem Hund geradeaus weitergehen und Silja zielstrebig abbiegen. Sehe anderthalb Stunden später die endlose Weite und keine Menschenseele um uns herum und erinnere mich an dem Moment, an dem wir feststellen, dass wir falsch abgebogen sind und nun eine ganze Stunde Wegzeit wieder zurücklaufen mussten. Daran, wie wir diese Stunde für eines unserer persönlichsten Gespräche nutzten, während wir heimlich hofften auf dem Rückweg nicht auch nochmal falsch abzubiegen. Um dann, am Ende des Tages doch noch an den Klippen zu stehen und auf das Meer zu schauen. Daran, wie der Wind plötzlich zunahm und uns die ersten Regentropfen ins Gesicht peitschten. Wie wir trotzdem noch einen Moment verharrten, zu versunken in unserem Gespräch. Und wie wir durch unseren ungeplanten Umweg einen herrlich verregneten Sonnenuntergang samt Regenbogen mitten über der Felsenbucht bestaunen konnten.

Ich muss schmunzeln, während ich an unsere abendliche Wetterrecherche denke. Unser verzweifelter Versuch dem Regen so gut wie möglich zu umgehen. Irgendeine Stadt in der Provence zu finden, in der für den nächsten Tag kein permanenter Regen oder gar Gewitter angesagt sind. Klingt in Südfrankreich nicht nach der größten Herausforderung; ist es aber, wenn der Mistral zuschlägt. Wir freuten uns wie ein Honigkuchenpferd, wenn wir eine Stadt fanden, in der es nur „gelegentliche Schauer mit 75% Regenwahrscheinlichkeit“ geben sollte.

Ich denke an unsere spontane Entscheidung nach Montpellier zu fahren und wie sehr mir diese Stadt gefällt. Mit all den schalen Gassen, den Fensterläden, diesen schicken Straßenbahnen und der Sonne. Es gab hier einfach den ganzen Tag Sonne. Ich denke daran, wie wir auf den Stufen vor der Oper saßen und Pommes gegessen haben, nachdem wir am Morgen vorher über Pommes geredet hatten und uns unseren Mahlzeit-Traum einfach direkt sechs Stunden später selbst erfüllten.

Nun sitzen wir hier, auf diesen unbequemen gelben Plastikstühlen und warten auf unseren Bus. Wir ahnen nicht, dass uns morgen ein ebenso wundervoller und ereignisreicher Tag in Siljas Lieblingsstadt, Aix-en-Provence, erwartet. Mit Seifen-schnuppern, Matche Latte, noch mehr guten Gesprächen und noch ein letztes Mal warmen Sonnenschein, bevor wir die abenteuerliche Flixbus-Rückreise nach Paris antreten.

„Glück im Unglück“, sage ich. „Das wäre mein generelles Fazit zu unserem Urlaub.“

 

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Die Stadt des Lichts – Nr.9

Nr. 9: Wer unter Kissen kackt, wird obdachlos

Gestern früh noch das Prinzessinnenbett, das Zimmer mit dem alten Kamin, Aufwachen in dem wunderschönen Altbaugebäude mit den knarzenden Holzdielen und dem riesigen Spiegel mit dem goldenen Rahmen. Knapp sechs Stunden später steht eine dampfende Schale Bulgur vergessen auf dem Schreibtisch und meine zitternden Finger versuchen das Patafix abzupulen, während ich meine Bilder und Postkarten von der Wand reiße. Irgendetwas in meinem Kopf scheint stehen geblieben zu sein und mein Sympathikus hat die Kontrolle über meinen Körper übernommen. Ich empfinde nicht. Ich funktioniere in diesem Moment nur noch. Ich funktioniere verdammt gut, aber mehr ist da einfach nicht.

Eine Stunde hat sie mir gegeben, um zu verschwinden. Wenn ich ihr nicht die Miete für den kompletten November gebe, dann muss ich in zwei Stunden raus sein. Während die einst so hilfreiche und nette Frau, bei der ich zur Untermiete wohne, ein weiteres Mal wutschnaubend in mein Zimmer stürmt, frage ich mich, wie ich eigentlich in diese Situation geraten konnte.
„Das ist doch krank. Wer schreibt seiner Mitbewohnerin, wenn eine Glühbirne kaputt geht, dass eine Glühbirne kaputt gegangen und ob in der Wohnung noch irgendwo Glühbirnen sind?“
„Eigentlich denke ich, dass das ziemlich normal ist“, antworte ich und meine Stimme klingt so sachlich und zittert kein bisschen, als hätte ich über Nacht einen Doppeldiplom in Mediation mit Schwerpunkt auf Sozialpädogik absolviert.

Die letzten Wochen glichen beinahe einer Werwolf-ähnlichen Transformation, während der ich urplötzlich verdächtigt wurde Messer aus der Küche gestohlen zu haben, die ich in meiner gesamten Zeit in diesem Haus niemals gesehen habe und mir vorgeworfen wurde ich hätte keinen Respekt für andere Personen und wäre generell ganz ganz schrecklich. Langsam aber sicher fühlte es sich an, als würde mein schönes Altbau-Prinzessinen-Zimmer zu der überspitzten Perfektion eines Horrorfilms werden. Als ich meiner Vermieterin nahelegte, dass ich Ende des Monats ausziehen würde, schien bei ihr die letzte Tasse aus dem Schrank zu fallen und sie drohte mir, wenn ich nicht innerhalb einer Stunde verschwunden war.

So haste ich nun also, fleißiges wie ein Eichhörnchen auf den knarzenden Dielen umher und sehe ich mich mit einer Herausforderung konfrontiert, die so vollkommen jenseits des Denkbaren liegt, dass mein Körper auf Autopilot geschaltet zu haben scheint. Zusätzlich kommt sie alle 5 Minuten in mein Zimmer, um mich daran zu erinnern was für ein grauenvoller Mensch ich bin. Aber meinen Autopiloten interessiert das nicht, eine Kugel in die Seite, einen Schlag vor den Bug, alles egal, er findet seinen Weg durch das Asteroidenfeld, denn er kennt nur ein Ziel: raus. Raus und nichts Wichtiges zurücklassen.

Und so packe ich in rekordverdächtigen 43 Minuten all mein Hab und Gut zusammen, hinterlasse wehmütig meinen Humus und meine Passionsfrüchte in der Küche, atme einmal kurz durch, verabschiede mich von der Tatsache, dass ich knapp 1,60 groß und zierlich bin, berufe meine Muskeln ein paar Minuten noch zu funktionieren und beginne mich zu bepacken. Den großen Wanderrucksack auf den Rücken, den kleinen vorne rum, die Yogamatte und den großen Beutel mit meinen Schuhen über die rechte Schulter, den kleinen über die linke, meine Hand schließt sich um den Griff meines Koffers. Soweit, so gut. Wie ich mich so fortbewegen und vor allem die schmale Wendeltreppe runterkommen soll, weiß ich allerdings nicht.

Als ich die Wohnungstür öffne, hält mich meine Vermieterin auf. Sie will erst das Zimmer kontrollieren und dass ich sie ja jetzt eigentlich für die Reinigung bezahlen müsste. Nun, dass man in einer Stunde keine Grundreinigung machen kann, sollte ihr vorher klar gewesen sein, denke ich, schüttele aber nur still den Kopf und schiebe meinen Koffer vor mir durch die Tür. Ich sehe noch, wie sie die Prinzessinnenbett-Kopfkissen anhebt und irgendwas von wegen, dass ich da nicht druntergekackt und ihr ein Geschenk hinterlassen habe flucht. Dann schließe ich die Tür hinter mir.

Zwei Minuten später gibt sich dann auch meine Sorge mit dem Koffer und der Wendeltreppe, denn bei der Aufregung scheint mein Autopilot die Breite des Treppenabsatzes überschätzt zu haben und so poltert mein Koffer nun Stufe für Stufe runter ins Erdgeschoss. Ich blinzele einmal, dann folge ich ihm still, bevor ich mich samt all meiner Beutel und Taschen unten in den Hausflur setze. Ich bin soeben innerhalb von einer Stunde von einer Prinzessin zur Obdachlosen degradiert worden. Dabei habe ich weder Messer geklaut, noch unter Kopfkissen gekackt, noch würde ich überhaupt jemals auch nur im Entferntesten im Code meines Autopiloten oder im Kopf meines richtigen Piloten eine solche Idee bekommen.

Gestern noch das Prinzessinnenbett, heute wache ich auf dem Boden in Valentinas 7m² Zimmer auf. Es gibt genau genug Boden, damit meine Sachen und ich Platz haben, mehr geht hier nicht. Aber ich habe ein Kissen unter dem Kopf, ein Dach darüber, einen mit Maccarons, Couscous und Schokolade gefüllten Bauch und einen Abend hinter mir, der mich an Übernachtungspartys in der Grundschule erinnert. Ich habe wirklich Glück im Unglück, dass ein so grauenvoller und unter messerklau-verdacht stehender Mensch, wie ich, anscheinend doch nett genug ist, um Freunde zu haben, auf die im Notfall zu hundert Prozent Verlass ist. Freunde, die sogar ein 7m² Zimmer mit dir teilen.

Der Moment, in dem mir dieses Glück bewusst wird, ist der Erste, in dem mein Autopilot sich von mir verabschiedet und ich spüre, wie mir die Tränen in die Augen schießen. Ich heiße Caera, bin 22 Jahre alt, mache gerade mein Auslandssemester in Paris und ohne meine Freunde, wäre ich seit gestern Nachmittag bis Ende Oktober offiziell obdachlos. So schnell kanns gehen.

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Die Stadt des Lichts – No.8

Nr. 8: Wo die Angst ist, da geht es lang – oder: einmal Disney für die Bildungselite

„Mir ist schon ein bisschen übel“, sage ich kleinlaut und höre meine eigene Stimme kaum, so sehr rauscht es in der fahrenden Metro. Oder vielleicht ist das auch das ganze Blut in meinen Ohren, bei dem Rhythmus, in dem mein Herz momentan schlägt, würde es mich nicht wundern.
„Deine Augen sind auch ein bisschen wässrig“, sagt sie und ich beneide sie in diesem Moment um ihre kurzen, blonden Locken, die wie eine Löwenmähne ihr Gesicht umrahmen und manchmal ein ganz eigenes Leben zu haben scheinen. In diesem Moment wirken sie auf mich wie ein Schutzmantel, der ihr Gesicht bewahrt und ihrem Auftreten gleichzeitig so viel mehr Selbstbewusstsein und Pepp verleiht, den ich in diesem Moment wirklich gebrauchen könnte.

Vor Jahren, zu der Zeit, in der ich, wenn mir langweilig war die Fernsehzeitschrift meiner Eltern gelesen habe, fand ich dort ein Interview von Michelle Hunziker. Aus meiner heutigen Sicht betrachtet, ist sie gewiss nicht sonderlich anders, als andere Promis, aber damals beeindruckte mich die Tatsache, dass sie so viele Sprachen spricht, was mich irgendwo reizte. Ich erinnere mich nicht mehr daran, worum es in dem Interview ging, nur, dass sie sagte, dass sie nie vor Herausforderungen zurückgeschreckt sei. „Wo die Angst war, da geht es lang.“

Wo die Angst war, da geht es lang. Ein Satz der mich hier und da seit jeher immer wieder begleitet hat. Und zwar immer dann, wenn ich etwas ganz cool fand, es mich aber eigentlich nicht trauen würde. Wie, wenn ich beim Poetry Slam Jason Bartsch treffe und ihm gerne sagen würde, dass mich sein Text bei den Nationals 2017 sehr berührt hat. Oder, wenn ich den süßen Typ aus dem Baseballteam beim Abschlussgrillen ganz emanzipiert nach seiner Handynummer fragen könnte, weil ich sie eigentlich gerne hätte. Oder, wenn mir klar wird, dass der Chor, bei dem ich mich zum Casting eingetragen habe das Vokalensemble der Grandes Ecoles ist und die Arien, die auf der Website vorgeschlagen werden weit außerhalb meiner Möglichkeiten liegen. Dann könnte ich mich entscheiden einfach nicht hinzugehen.

Wo die Angst war, da geht es lang. Und was habe ich wirklich zu verlieren? Ein bisschen Stolz vielleicht, ein paar Minuten meines Lebens. Aber haben wir nicht alle schonmal mit dem Gedanken gespielt, wie es uns ergehen würde, wenn wir bei The Voice antreten würden? Ob sich jemand umdreht? Ob wir vielleicht irgendwo in uns drin ein kleines bisschen Star-Potenzial haben?

Ich entschied mich also dafür meine sechs-Monate-Gesangsunterricht-Erfahrung auf die Probe zu stellen und machte mich mit Valentina gemeinsam auf dem Weg zum Casting. Sie besaß im Gegenteil zu mir reichlich Erfahrung mit klassischem Gesang und hatte sich eine, wie sie behauptete, eher einfachere Arie rausgesucht. Mal ganz abgesehen davon, dass sie ja ihre Locken besaß. Ich hingegen habe leider keine Locken und im Unterricht auch bisher keine Arie gesungen, mal ganz abgesehen davon, dass ich generell in einem Musical-Chor singe und nicht in einem klassischen Opern-Vocalensemble.

Eine halbe Stunde später betrete ich den Raum. Einen leeren Klassenraum in einem weder schönen, noch charmanten alten Bürogebäude. Die Wände haben ungefähr das Gleiche gelb, wie die Soße, die es früher in der Schule zu den Senfeiern gab. Mir wird augenblicklich wieder ein bisschen schlecht. Warum der Chor der Bildungselite hier probt, weiß ich nicht. Der Dirigent lächelt aufmuntern zwischen seinem Dreitagebart mit sehr weißen Zähnen und ich stolpere auf Französisch durch meine bisherige Gesangserfahrung. Dann kommt der Moment, auf den alles Bisherige hinausläuft. Der Moment, in dem ich befürchte, dass er und der Rest in diesem Raum in Gelächter ausbricht, der Moment der Wahrheit. Er fragt mich was ich vorsingen werde. „Walking in the Air“, sage ich. „Aus einem animierten Kinderfilm von 1982“, sage ich nicht.

Keine fünfzehn Minuten später stehen Valentina und ich lachend und essend wieder in der Metro. Mich haben sie direkt abgelehnt, da ich nicht genügend klassische Erfahrung habe. Valentina wird demnächst noch eine Email bekommen. Was dort drinstehen wird? Wer weiß…
Mir ist die Absage im Nachhinein relativ egal. Denn wenn ich ehrlich bin, weiß ich selber, dass Disneyfilme und ich nicht so ganz in den Chor der Menschen passen, die später dieses Land regieren und die größten Firmen leiten werden. Aber ich bin stolz auf mich, dass ich das Ganze trotzdem durchgezogen habe. Und seien wir mal ehrlich; ab und an ein bisschen Disney, schadet doch nie!

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Die Stadt des Lichts – No.7

No. 7: Wofür das Herz schlägt

Blassrosa Wolken, die die Spitze des Eiffelturmes kitzeln und weiter oben ins blaue verlaufen. Ein Kondensstreifen, der einen beinahe geplanten, gemalten Strich durch den abendlichen Himmel zieht und irgendwo rechts in den blassrosa Wolken verschwindet. Unterhalb der Wolkendecke leuchtet der Himmel golden zwischen den Fassaden der filigran gefertigten, hunderte von Jahren alten Gebäuden und zaubert mir ein Lächeln auf das Gesicht. So viel Schönheit an einem Abend, so viel Zauber in einem einzigen Anblick, dabei bin ich lediglich einmal nach links abgebogen und dann der Straße etwas nach oben gefolgt. Irgendwo in meinem Bauch beginnt es ganz zaghaft zu kribbeln und ich schüttele ungläubig den Kopf.

Paris, du wunderschöne Stadt, ich glaube, so langsam beginne ich es zu verstehen. Du heißt nicht Stadt der Liebe, weil jedes Pärchen irgendwann ein Wochenende auf deinen Straßen verbracht haben muss, um einen Kuss in deinen Gassen zu teilen. Nein, das kann nicht sein, denn ich bin ganz allein hier. Bin mit meinem kleinen Herzen zu dir gekommen, auf der Suche nach etwas Neuem. Auf der Suche nach mir und Teilen meines Selbst, die mir bisher verborgen geblieben sind. Nach Teilen meines Selbst, die ich irgendwo auf dem Weg hierher vielleicht verloren habe. Und ich habe mich verliebt, ich habe mich so sehr verliebt, du wundersame Stadt der zauberhaften Sonnenuntergänge.

Dabei hast du mir so viel mehr gegeben, als deine herrlichen Fassaden, als den Geruch nach ofenfrischen Croissants sonntagsmorgens auf deinen Straßen. Mehr als vergoldete Sonnenuntergänge und zauberhafte Momente, unter deinem Glanz mit einem Buch auf einer Wiese. Mehr als Akkordeonmusik in den Metrostationen oder Univeranstaltungen, die mich nicht frustrieren, weil sie so alltagsnah und nicht nur auf Bulimielernen ausgelegt sind. Mehr als bloß einen Weg fort von all dem Bekannten und auf ins Abenteuer.

Mein Bauch tat weh, mein Kopf war voller Fragezeichen und verknoteten roten Fäden, mein Herz war ein bisschen zerbrochen und ich hab permanent zurückgeschaut. Auf das was war und nicht mehr ist und mich gefragt, wo ich falsch abgebogen bin.  Ich war mir einmal mehr so unsicher mit meinen Entscheidungen, mit der Art wie ich Dinge mache, wie ich mein Leben lebe und du warst der Silberstreif. Du warst der Ausweg, der irgendwo am Horizont auf mich gewartet hat. Danke, dass du auf mich gewartet hast, während ich mich im Chaos meiner Päckchen gesult habe.

Auch wenn ich nicht daran glaube, dass es irgendwen auf dieser Welt gibt, der sich selbst endgültig finden kann. Ich glaube daran, dass man sich für einen Moment finden kann, für eine winzige Sekunde, bevor sich die Erde wieder weiterdreht und sich alles erneut verändert. Ich glaube daran, dass wir auch allein vollständig sein können. Das Liebe kein Muss ist, sondern eine Wahl; dass wir niemanden brauchen um uns glücklich zu machen. Sondern dass wir mit uns selbst glücklich sein müssen und uns in unserem eigenen Glück dafür entscheiden können, dieses Glück mit einer anderen Person zu teilen. Wenn wir wollen, aber wir müssen nicht. Und dass wir das auch so können. Wenn auch nur für einen winzigen Moment im Angesicht der Unendlichkeit unserer Lebens. Im Angesicht der Kette aller Momente unserer Zeit, die wir mit anderen Menschen teilen.

Ich glaube nicht, dass sich die Fragezeichen je einfach auflösen oder gar überhaupt je auflösen. Dass unser Päckchen-Chaos irgendwann ein hübsch eingerichtetes Designerzimmer wird. Dass wir all die roten Fäden entwirren können, um einen hübschen Teppich daraus zu weben. Aber ich glaube daran, dass es Momente gibt, in denen die Fragezeichen egal sind. In denen rote Fäden auch nicht wichtiger sind, als gelbe, grüne oder blaue. Weil wir so übersprudeln an Leben in unseren Adern, an Glück in unserem Bauch und das Glitzern der Sterne einen Moment in unseren Augen strahlt.

Ich glaube daran, dass es Entscheidungen gibt, die richtig sind. Daran, dass es Tage gibt, an denen nur eine Gruppe Ponys den Tag noch perfekter machen könnte. Tage, an denen dann neben dem Jardin Luxembourg eine Gruppe knuddeliger Ponys steht und nur darauf wartet von dir durchgeschmust zu werden. Ich glaube daran, dass das Leben immer aus bergauf und bergab besteht. Allerdings glaube ich auch ganz fest daran, dass es keinen Sinn macht die schwindelerregende Höhe zu fürchten, wenn man auf dem Gipfel der Emotionen steht. Der Fall kommt so oder so, da kann man die Aussicht doch den Moment auch einfach nur genießen und sich an der Höhe erfreuen.

Für mich waren es am Mittwoch die blassrosa Wolken, dieser zauberhafte Sonnenuntergang und eine Gruppe knuddeliger Ponys, die mir offenbarten, wie sehr ich mich in diese Stadt verliebt habe. Und ich habe keine Angst das auszusprechen, keine Angst den Ausblick auf diesen wunderschönen Himmel vom Gipfel der Emotionen zu genießen. Mein Leben ist so schön und ich bin so glücklich. Hier und Jetzt. In diesem Moment und für diesen Moment, bevor sich die Erde weiterdreht und erneut alles anders wird.

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Die Stadt des Lichts – No.6

No.6: Morgenstund

7:30 Uhr: Jetzt muss ich los, denke ich, während ich in Jogginghose zähneputzend vor dem wirklich unglaublich langsamen Wasserkocher stehe und nebenbei Nüsse in eine Tupperdose fülle.

7:40 Uhr verlasse ich eilig das Haus, schiebe mein Handy in die Jackentasche, das Ticket für die Metro griffbereit in die Hosentasche und ziehe den Reißverschluss meiner Jacke zu. Nicht sonderlich modisch, ich weiß. Aber was soll man machen, wenn die Temperaturen urplötzlich von 27 Grad auf 8 Grad fallen und man sich prompt eine Erkältung eingefangen hat. Auf meinem Weg zur Metro muss ich daran denken, wie eine Professorin mir einst erzählt hat, dass sie während eines längeren Auslandsaufenthaltes in ihrem Dorf immer „Die Feuerwehr“ genannt wurde. Weil sie immer so eilig unterwegs war. Und weil sie rote Haare hatte und ich frage mich, ob man mich in meinem Viertel wohl auf so nennen würde, wenn ich rote Haare hätte. Immer so eilig unterwegs, immer spät dran. Und das obwohl ich alles andere als dicht an der Uni wohne.

7:44 Uhr: Das Gute an einer Großstadt wie Paris ist, dass die Metros tagsüber alle zwei bis vier Minuten fahren. Wirklich praktisch für Leute wie mich, die immer etwas spät dran sind. Wobei spät dran sein in meinem Fall bedeutet, dass ich nur 10 Minuten vor Veranstaltungsbeginn in der Uni sein werde. Es wundert mich jedoch, warum die Leute teilweise so waghalsig die Treppen heruntersprinten und sich dann zwischen die, sich bereits schließenden Türen schmeißen? Wenn in zwei Minuten die nächste Metro kommt? Naja, vielleicht sind sie auch spät dran.

8:05 Uhr: Ich steige Châtelet aus und folge dem Menschenfluss zum Gleis meiner nächsten Metro. Ich habe das immer noch nicht so ganz drauf mit den ungeschriebenen Regeln bezüglich wer wo wann langgeht. Denn irgendwie ist das nicht ganz Rechtsverkehr und auch nicht ganz Linksverkehr, sondern irgendwas dazwischen und alle scheinen das System zu kennen, nur ich noch nicht. Also laufe ich wieder einer Person in die Hacken, wie jedes Mal, führe wieder diesen albernen keiner-weiß-wohin-er-ausweichen-soll-Tanz mit jemand anderem auf und lasse mich bewusst nicht von den Menschen vor mir auf der Treppe anstecken, um mich hastig die letzten Stufen hinunterzuwerfen und zwischen die sich schließenden Türen der Metro zu schmeißen. Bei der Linie 14 ist das nämlich nochmal ein ganz anderes Level von riskant.

Die Linie 14, die Tram die mich vom Zentrum zur Uni bringt. Eine Linie, deren Waggons am vordersten und am hintersten Wagen ein großes Fenster und einen großartigen Ausblick auf die Schienen vor und hinter der Bahn bieten. Was das bedeutet? Die Metro fährt ohne Fahrer und somit gibt es niemanden, der die Türen dieses Geisterzuges wieder öffnet, wenn sie sich zwischen dir und deinen wehenden Haaren schließen, solltest du hineinspringen. Also meide ich das Risiko lieber, denn irgendwie würde ich sowohl meine Haare, als auch meinen Rucksack ganz gerne mit in die Uni nehmen.

8:15 Uhr: Ich nehme meinen Rucksack ab, beginne halbherzig ihn zu öffnen und warte darauf, dass mich der nette Security Typ mit seinem typischen passt-schon-bloß-keinen-Stress-Lächeln am Eingang meiner Uni durchwinkt. Er wünscht mir noch einen wunderschönen Tag und ich frage mich ein weiteres Mal, wie man um diese Zeit schon so gute Laune haben kann. Bzw. wie viel schlechter meine Laune wäre, wenn er mich nicht jedes Mal so super herzlich empfangen würde. Zugegebenermaßen fand ich es anfangs etwas seltsam, dass es jemanden gibt der die Taschen (hauptsächlich große Sport- und Aktentaschen) am Eingang zum Unigebäude kontrolliert. Inzwischen weiß ich, dass die Uni dies aus Sicherheitsgründen nach den Anschlägen 2015 eingeführt hat. Was irgendwie trotz allem ein komisches Gefühl ist, wenn man mal darüber nachdenkt.

8:17 Uhr: Ich betrete den Fahrstuhl, nicht aus Faulheit, sondern weil der eine Tafel hat, auf der steht in welchem Stock sich welcher Vorlesungssaal befindet und fahre in den vierten Stock. Na gut, in den vierten Stock wäre ich vielleicht auch so mit Fahrstuhl gefahren. Ich verlasse den Fahrstuhl und löse als scheinbar einzige und erste Person auf diesem Flur den Bewegungsmelder aus. Je weiter ich den Gang entlang gehe, desto heller wird es. Dann stehe ich vor einem leeren Raum und setzte mich etwas irritiert an einen der Tische.

8:20 Uhr: Langsam kommt mir die Sache etwas komisch vor und ich checke zunächst ob ich im richtigen Raum bin, dann meine Emails. Letzte Woche bin ich bereits früh aufgestanden, hergefahren und der Kurs ist ausgefallen. In der Email steht, dass der Kurs erst ab dem 10. Oktober stattfindet – hätte ich die mal direkt gründlich gelesen!

8:25 Uhr: Ich verlasse die Uni wieder und beschließe einen kleinen Spaziergang zu machen, runter zum Quai der Seine, vorbei an der Bibliotheque National, deren riesiges Glasgebäude im Licht der aufgehenden Sonne leicht golden strahlen. Über die Brücke auf die andere Seite und durch den Park. Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, dass ich das gemacht habe. Einfach mal dort langlaufen wo ich hinmöchte, dorthin, wo mich meine verstopfte Nase, der die frische Morgenluft sehr gut zu tun scheint, hinführt. Seit die Uni begonnen hat, hat mich der Alltag wie ein Strudel gepackt und immer tiefer in sich hineingezogen. Dabei ist Paris so viel mehr als eine Stadt, in der ich meinen Alltag verbringen möchte.

Ich komme an einem riesigen Skaterpark vorbei und muss an mein Französischbuch in der Schule denken, wo sich die Jungs in diesen unglaublich unglaubwürdigen Dialogen immer an den Blocks de Bercy verabredet haben – einem Skaterpark. Vermutlich dieser hier.

8:45 Uhr: Paris scheint zu schlafen. Die Stadt scheint so unglaublich ruhig, als hätte man die Lautstärke abgedreht. Hier und da ein Jogger, hier und da ein Mensch mit einem Hund und das Einzige was man wirklich hört, ist das Schleifen des Koffers von dem Typ vor mir. Eines der Räder scheint abgebrochen zu sein und nun schleift er seinen Koffer durch das schlafende Paris, als wäre es mitten am Tag und überall Trubel.

9:15 Uhr: Es ist mitten am Tag und spätestens in dem Moment in dem ich die Metro Station betrete, wird mir klar, dass diese Stadt nicht schläft und dass auch niemand die Lautstärke runtergedreht hat. Denn unter der Erde geht es zu wie in einem Bienenstock. Die Metros fahren fleißig alle zwei bis vier Minuten und jede dieser Metros ist so bis zum Erbrechen voll, sodass ich in meiner Jacke mit zugezogenem Reißverschluss ziemlich ins Schwitzen komme und ich frage mich, ob ich das wollen würde. Wenn ich wüsste dass es für immer wäre. Jeden Morgen mit diesen Massen an Menschen in diese Waggons gepfercht sein, diesen Tanz der komplexen Regeln beim Ein- und Aussteigen aufzuführen, nur um am Abend dann wieder das Gleiche zu tun. Aber das ist vermutlich der Unterschied zu meiner verträumten Küstenstadt zu Hause und auch zur Scherbenstadt. Und in Berlin ist das vermutlich auch nicht anders.

10:00 Uhr: Ich verlasse meine Metro Station und gebe mir Mühe etwas entspannter als sonst zurück nach Hause zu schlendern. Wer weiß, ob Spitznamen für eilige Blonde Menschen so cool ausfallen, wie „Die Feuerwehr“.

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Die Stadt des Lichts – No.5

No.5: Beauty hurts

Vor drei Jahren war ich im Rahmen eines Jugendaustauschprojektes zwei Wochen lang in Paris. Wir waren 15 Jugendliche, drei aus jeweils fünf Ländern. Amerika, Frankreich, Deutschland, Ägypten, Libanon und Tunesien. Wir waren 15 Jugendliche mit den unterschiedlichsten Hintergründen, der verschiedensten Glaubensrichtungen, aus jeglichen Ecken dieser Welt und doch kamen wir uns in den zwei Wochen so nahe, dass uns der Abschied Tränen in die Augen trieb. Dabei war nicht immer alles einfach; wenn wir über Themen wie Homosexualität diskutierten zum Beispiel. Oder der Moment in dem wir realisierten, dass vor unserem Hostel dreißig Flüchtlinge auf der Straße schliefen. Das war im Sommer 2015 und ich war 18. Für mich war es das erste Mal, dass ich mit dem Thema Flüchtlinge konfrontiert wurde. Für einige der Flüchtlinge war es das erste Mal, dass sie in einem Land den Status „Flüchtling“ bekamen.

Es war grauenvoll zu sehen, wie diese Menschen, die teilweise als Ärzte, Juristen oder Lehrer in ihrem Land gearbeitet hatten unter erschreckenden Umständen nach Europa gekommen waren, um dann hier auf der Straße zu schlafen. Und ich meine damit direkt auf der Straße. Ohne Isomatte, ohne Schlafsack, ohne Schutz vor der Witterung, ohne Essen und gefühlt ohne Perspektive. Und ich weiß bis heute weder, wie sich das für meine tunesischen und ägyptischen Freunde angefühlt haben muss, denen die Sache noch auf eine ganz andere Art viel näher ging. Noch weiß ich, was aus diesen Menschen geworden ist, nachdem die Straße nach vier Tagen von der Polizei geräumt wurde. Ich weiß nur, dass ich ein ziemlich mulmiges Gefühl im Magen hatte, wenn ich in den darauffolgenden Tagen an den schwer bewaffneten Soldaten vorbeiging, die an den Enden der Straße positioniert worden waren. Wenn ich jedes Mal Angst hatte, meinen Ausweis nicht dabei zu haben, obwohl das bei mir im Vergleich zu meinen Freunden aus dem Libanon, Ägypten und Tunesien kaum eine Rolle spielte, da ich nie angehalten wurde.

Vermutlich ist es diese Erfahrung, dieses Projekt, das dazu beigetragen hat, das Paris für mich nicht nur die Stadt der Liebe ist. Nicht nur die Stadt des Lichts. Nicht nur die Stadt mit diesen unglaublich stilsicheren Menschen mit ihren Markenhandtaschen in der Metro, die Stadt der teuren Armbanduhren, der Künstler, die Stadt, in der nachts alles so romantisch aussieht, weil das Licht hier so viel wärmer wirkt. Die Stadt, in der man in den Bäckereien kaum entscheiden kann was man sich kaufen will, weil es so viele Dinge zur Auswahl gibt, in der Stadt dieser wunderschönen Altbaugebäude.

Paris ist ebenso die Stadt, in der ein Mann oberkörperfrei in der Metrostation an der ich jeden Morgen umsteige auf Pappkartons im Sitzen schläft. Die Stadt, in der man keine allzu großen Ansprüche haben muss, um 6€ für eine Flasche Shampoo zu bezahlen. Die Stadt, in der Menschen an den Stationen, an denen die elektrischen Fahrräder aufgeladen werden sollen, auf dem kalten Boden sitzen, um ihre Handys aufzuladen. Die Stadt, in der es quasi keine Mülltrennung gibt und unglaubliche Mengen an Müll einfach auf der Straße abgestellt werden. Die Stadt, in der man manchmal die Straßenseite wechselt, weil die Person vor einem so unangenehm riecht, dass man es nicht mehr aushält. Die Stadt, in der abends auf den Straßen überall Urin ist, der morgens von den Geschäftsinhabern mit einem Wasserschlauch weggespült wird. Die Stadt, in der viele Studenten mit der Metro in die Randbezirke fahren zum Einkaufen, weil sie sich die Lebensmittel in Paris nicht leisten können.

Die Stadt in der ich nach drei Jahren durch die Straße laufe, in der damals die Flüchtlinge geschlafen haben. Alles ist irrational ordentlich, da stehen jetzt Hochbeete und Sitzgelegenheiten von einem weiteren Café, in dem die Preise so exorbitant sind, dass ein Großteil der Pariser niemals dort sitzen wird. Paris ist wunderschön, eine der schönsten Stadte, die ich kenne. Aber Schönheit hat immer einen Preis und ich bin mir nicht sicher, ob es die Touristen sind, die für ein Wochenende mit ihrer besseren Hälfte hierherkommen, die den Preis für diese Schönheit wirklich zahlen. Ob es wirklich die Menschen sind, die mit Ausblick auf den Eiffelturm zum Abend ein Glas Wein trinken. Oder jene, die sich nichts davon kaufen können, in der Stadt des Lichts zu leben und denen der beleuchtete Eiffelturm weder Wärme noch ein Dach über dem Kopf schenken kann.

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Die Stadt des Lichts – No.4

No.4: Ein trilingualer Spaziergang

Obwohl ich in einem international und interkulturell ausgerichteten Studiengang bin, muss ich zugeben, dass ich in Deutschland wenig mit den Internationals an meiner Uni zu tun habe. Das liegt einerseits daran, dass ich am Ende des ersten Semesters feststellen musste wie traurig es ist, wenn all deine Erasmus-Freunde wieder nach Hause fahren und du plötzlich alleine dastehst. Und zum anderen, weil es in meinen Kursen (glaube ich) meist keine Internationals gibt. Meine Erfahrung mit Austauschstudenten beschränken sich also auf das erste Semester und diese lebendige und verrückte Gruppe  Italiener, mit denen ich als Ersti ziemlich viel gemacht habe. Wobei ich Freundschaften mit Italienern wirklich nur jedem empfehlen kann! Erstens, kannten die quasi jeden unter den Erasmusstudenten, sodass auch schnell ein Franzose gefunden war, der mir bei den Vorbereitungen auf meine Französischprüfungen half und zweitens, weil Italiener unglaublich gut kochen können. Ein Stereotyp, ja, aber in meiner Fall entsprach es der Wahrheit und ich wurde in diesem Semester bestimmt mindestens einmal die Woche zum Essen eingeladen. Worüber ich mich gewiss nicht beschweren werde. Quentin, mein Französisch-Helfer blieb damals ein Semester länger, da es ihm in der Scherbenstadt sehr gut gefiel und so wurden wir im Laufe der Zeit zu einem sehr eingespielten Tandempartner-Team und gute Freunde. Aber abgesehen von dieser Gruppe Italienern, Quentin und einem extrem attraktiven Spanier, den damals jeder an der Uni kannte, (meine Freunde und ich nannten ihn heimlich „Mr. Hot&Sexy“) habe ich vermutlich ausschließlich mit Deutschen zu tun.

Dabei kenne ich nun die Sorgen, die man als Erasmusstudent hat. Weil eigentlich braucht man jemand Einheimischen, den man ab und an etwas fragen kann und eigentlich möchte man ja auch einheimische Freunde, weil man sich ja nicht entschieden hat nach Paris zu gehen, um Russen oder Italiener kennenzulernen. Zumindest nicht hauptsächlich, denke ich.

So saß ich, nervös, wie zuletzt vor meiner mündlichen Abiprüfung mit einem Herzschlag, so schnell als müsste ich gleich heiraten eine halbe Stunde vor Vorlesungsbeginn vor dem Eingang zum Saal. Um mich herum Menschen vertieft in Bücher, Menschen vertieft in Smartphones und ich bemühte mich, nicht allzu sehr zu starren und gleichzeitig zu analysieren wer in meinen Kurs gehören könnte und nett aussah. Fünf vor halb wurde ich dann etwas unruhig. Niemand schien den Raum betreten zu wollen, aber in fünf Minuten sollte es ja bereits losgehen; für meine typisch deutsche Pünktlichkeit eine große Herausforderung.

Also packte ich alles an Mut, was ich in meinem Bauch, meinem Kopf und um mich herum so finden konnte und ging auf eine Gruppe Mädchen zu. Ob sie das Gleiche studieren würden wie ich und ob das hier der richtige Saal war. Ich war mir eigentlich sicher, dass es der richtige Saal war, aber es war ein guter Grund jemanden anzusprechen. Für meinen Mut wurde ich sofort belohnt; sie schienen sich riesig zu freuen mich kennenzulernen, stellten sich vor, fragten mich wie es mir ging und ich hatte zu keinem Moment das Gefühl sie wären lediglich höflich. Nach dem Kurs, in der Pause nahmen sie mich mit in die Cafeteria und ich wurde aktiv in jegliche Gespräche eingebunden.

Das muss ich sagen ist etwas, wo wir uns in Deutschland an meiner Uni eine gute Scheibe abschneiden könnten. Ich meine, klar wir wären nett zu der Austauschstudentin und vielleicht würden wir sie auch mit in die Mensa nehmen. Aber wäre das ehrliches Interesse oder Höflichkeit? Wenn wir selber schon seit zwei Jahren zusammen studieren und unseren Freundeskreis schon haben? Wenn sie manchmal eine halbe Ewigkeit braucht, um einen Satz zu Ende zu bringen? Wenn sie manchmal so komisch lächelt, weil sie vermutlich nicht ganz versteht was man gesagt hat? Wenn man weiß, dass man nun der inoffizielle Informationsstand wird? Wenn man eigentlich gar keine neuen Freunde braucht? Ich bin mir da nicht so sicher…

Natürlich kann ich nach einer Woche Uni den Tag nicht vor dem Abend loben. Aber ich glaube, ich habe wirklich Glück gehabt mit meinem kleinen Studiengang und diesen wunderbaren Menschen, die mich so nett aufgenommen haben, dass ich am Dienstag so wenig aufgeregt war auf dem Weg zur Uni, dass ich in der Metro etwas schläfrig wurde und tatsächlich meine Station verpasste. Gut, dass ich dank meiner deutschen Pünktlichkeit eh eine halbe Stunde zu früh gewesen wäre.

Gestern habe ich mich dann mit Quentin getroffen. Was für ein cooles Gefühl, jemanden an der Uni in Deutschland kennenzulernen und dann hier in Paris mit ihm durch sein Heimatviertel zu schlendern. Was irgendwie noch cooler war: Wir können und haben uns  in drei Sprachen miteinander unterhalten. Und das auf einem Niveau, auf dem der ein oder andere vielleicht hier und da ein paar Fehler macht, das Gespräch aber ohne Probleme möglich ist. Ich glaube, wenn ich die Wahl hätte, ich würde mich im ersten Semester wieder für meine Erasmus-Freundschaften entscheiden. Die anderen kann man immer noch später kennenlernen und wer weiß, vielleicht schlendert man irgendwann zusammen durch Paris.

Auf dem Weg zur Metro hat Quentin mir dann noch ein traditionell gebackenes Baguette geschenkt, aus seiner Lieblingsbäckerei. Man können die das gut die Franzosen, Baguette backen. Vielleicht ebenso ein Stereotyp, aber in meinem Fall irgendwie gottseidank auch sehr wahr, knusprig und super lecker!

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